Internetforen – ein Relikt aus alten Zeiten? 24.Feb
Zum Webmaster-Friday kam die Frage auf: “Nutzt ihr noch Internet-Foren?“.
Da ich meinerseits sehr aktiv in Internetforen bin, möchte ich die Frage erst einmal grundlegend mit “Ja, was sonst?” beantworten. In meinen Augen bieten Internetforen einen einfachen, schnellen, effektiven Kommunikationsweg und lassen sich für verschiedene Problemstellungen sogar besser nutzen, als jedes Blog. Natürlich bieten Blogs ihre eigenen Möglichkeiten, ein Thema zu diskutieren – für ernsthaftere und gezielte Beratung jedoch sind sie nicht wirklich zu gebrauchen – jedoch erhebt eine Blogsoftware (zumindest keine mir bekannte) Anspruch darauf.
Aus diesem Grunde habe ich mir einmal die Mühe gemacht, einen Beitrag zum Thema zu verfassen. Dabei möchte ich vor allem auf Aspekte eingehen, welche für Internetforen sprechen – andererseits aber auch einige technische Dinge zum Thema aufgreifen und dem Leser die Möglichkeit bieten, eventuell etwas neues zu lernen.
Ich hoffe, dass dieser Artikel mir einigermaßen gelungen ist und hoffe auf eine rege Diskussion zum Diskussionsthema. Gerne könnt ihr auch Verbesserungsvorschläge und Kritik einbringen.
Um es mit Bodo Wartke zu sagen: “Genug der Worte – Taten warten!”:
Um eine Blogsoftware betreiben zu können, benötigt man einen PC, auf welchem ein Webserver installiert und konfiguriert ist. In den meisten Fällen ist es egal, welcher Webserver (Apache, lighttpd, IIS usw.) genutzt wird. Wichtig ist, dass er den entsprechenden Interpreter unterstützt. Das ist in den meisten Fällen ein Modul, welches PHP und MySQL für den Webserver bereitstellt, sodass die Blog- und Forumsoftware auf diese zugreifen kann um Daten zu speichern und dynamisch zu arbeiten.
Andere Systeme (vor allem auf IIS-Basis) setzen ASP.NET als Scriptinterpreter ein – hier muss man nehmen, was von der Software gefordert wird, die Auswahl ist definitiv groß genug.
Im Blog-Bereich hat sich WordPress durchgesetzt und ist mittlerweile sehr weit verbreitet. Besonders interessant ist wohl hieran, dass es bereits bestehende WordPress-Installationen kostenfrei zur Nutzen gibt, welche auch über integrierte Community-Features verfügen. Hier sollte man einen Blick auf wordpress.com werfen. Für den unerfahrenen Nutzer, welcher kein Interesse an der Installation und Pflege eines Webservers und der WordPress-Installation hat, sicher eine sehr gute und einfache Möglichkeit um mit dem Bloggen beginnen zu können.
Eine Alternative zu WordPress stellt das Redaktionssystem serendipity dar.
Forensysteme hingegen sind deutlich breiter aufgestellt – in vielen Internetforen wird auf eines der “großen” Systeme gesetzt, zu welchen ich persönlich folgende zähle:
- Woltlab BurningBoard 3.1
- IP.Board
- vBulletin
- phpBB3
Es ist sowohl für Nutzer proprietärer Software etwas dabei, als auch für Freunde von freier Software.
Wie man sehen kann, ist auf beiden Seiten Auswahl vorhanden – auch die Grundlegende Technik ist die gleiche.
Der eigentliche Unterschied der Systeme liegt in ihrer Nutzung und den entsprechenden Anwendungsfällen. Während ich bei einer Diskussion auf einem Blog einzig und allein vom Blogbetreiber abhängig bin, was Diskussionsthemen angeht, sieht das in einem Forum wieder vollkommen anders aus. In letzterem registriere ich mich, wähle die passende Kategorie aus und beschreibe mein Problem dort. Die Foren-Community wird sich in den meisten Fällen den Beitrag durcharbeiten und eine Antwort verfassen. Das gleiche Vorgehen ist mit einem Blog nicht möglich. Es ist natürlich möglich, einen Beitrag mit dem Problem zu verfassen – jedoch gibt es einen wichtigen Knackpunkt: wie bekomme ich meinen Blog so bekannt, dass täglich hunderte Nutzer meine Beiträge lesen, um meine Fragen und Diskussionsanstöße zu beantworten? Dieses wurde mir hingegen in einem Forum vom Betreiber abgenommen. Es existiert bereits eine Community, welche Wissen bereitstellt um auf Fragen zu antworten.
Ein Forum liefert mir alles auf einen Blick – ich muss mich als Helfender nicht durch hunderte Blogs kämpfen, sondern sehe alles themenbezogene auf einen Blick. Genau dieser Punkt ist mir sehr wichtig. Natürlich möchte ich helfen – das kann ich aber nicht, wenn ich mir die Probleme erst einmal “zusammensuchen” muss. Hier ist ein zentraler Anlaufpunkt (eben in Form eines Forums) deutlich einfacher zu handhaben als verschiedene Blogs, welche meist nicht auf ein Thema fokussieren, sondern mehrere Themengebiete im Blick haben. Foren (von den ganzen “Allroundforen” einmal abgesehen) bieten oft ein spezifisches Wissensgebiet. Im phpforum.de finde ich alles zum Thema PHP, Computerbase beschäftigt sich mit dem Thema PC im allgemeinen und das Tabletopwelt.de-Forum bietet mir alles zum Thema Tabletop-Games. Habe ich Fragen zu PHP, so gehe ich direkt in’s phpforum.de, logge mich ein und stelle meine Frage im entsprechenden Unterforum. Danach abonniere ich den Thread und erhalte Benachrichtigungen, sobald jemand etwas zum Thema schreibt. Einfach und übersichtlich – oder?
Besonders hervorzuheben ist die Suchfunktion. Besonders sauer wird einem der schnell verloren gegangene Überblick bei Diskussionen auf Facebook aufstoßen. Noch vor 2 Tagen hatte man doch über ein Thema diskutiert … wo war das noch einmal?
In meinen Augen haben beide Systeme ihre Daseinsberechtigung. Ein Blog dient mir primär als Wissensspeicher für interessante Probleme und deren Lösung sowie dem Verbreiten der eigenen Meinungen und Ansichten zu diversen Themen. Ein Forum ist eine gute Diskussionssoftware, welche man nutzen sollte, wenn man gezielt Hilfe sucht. Möchte man hingegen einfach nur seine Meinung und eine einfache Diskussion zu einem zufällig gefundenen, interessanten Themen führen, so ist man in der “Blogosphäre” genau richtig.
#1 by Roman (1 year ago):
Kann ich absolut zustimmen: Foren zum diskutieren und Blogs um Meinung einzelner Leute zu finden oder für Problemlösungen. Foren haben meist den Nachteil, dass es wenig multimediale Inhalte haben, die den Text untermauern.
Schönen Gruß vom Roman